31st Season 2019
31st Season  2019 

Aktuelle Pressestimmen und Artikel der 31. Saison 2019:

 

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 Her mit der Triangel!

Es gibt diese nervigen Menschen, die alles zweimal sagen, weil sie denken, es hört sie sonst keiner. Auch Tschaikowsky macht das gerne. Bei seinem a-Moll-Klaviertrio op. 50 kann man sich im eröffnenden „Pezzo elegiac“ kaum retten vor wiederholten Seufzermotiven; im zweiten Satz mit seinen ausufernden Variationen wird es nicht besser. Überreden statt überzeugen: Man fühlt sich gegängelt. Wenn da nicht die vorzüglichen Musiker von Spectrum Concerts wären: Boris Brovtsyn (Geige), Jens Peter Maintz (Cello) und Eldar Nebolsin (Klavier) reißen den symphonischen Horizont des elegischen Kammermusikwerks auf. Und wenn es zum Schluss nicht diesen erstaunlichen Trauermarsch gäbe. Am Ende tupft das Klavier nur noch eine tiefe Quart, langsam, langsamer - die Maschine steht still.

Womit wir bei Schostakowitsch wären. Nach der Pause wird dieser Eröffnungsabend zur 31. Saison der Spectrum Concerts im Kammermusiksaal zum Ereignis. Schostakowitschs 15. Symphonie erklingt in der Bearbeitung für Klaviertrio und zwei Schlagzeuger: Ni Fan und Lukas Böhm bespielen 13 Instrumente, auswendig. Her mit der Triangel, möchte man ihnen zurufen. Denn der Witz und die Todesnähe, die Liebe zur Spätromantik bei gleichzeitiger Sehnsucht nach dem endgültigen Ende der Tonalität, ja die Kühnheit dieses Spätwerks mit seinen apart aufscheinenden Zwölfton-Melodien tritt offen zutage.

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Exzellent, aber prekär: Die Spectrum Concerts haben es nicht leicht

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Schostakowitsch war 1971 bereits schwerkrank, er entkernt das Symphonische, wie zum allerletzten Mal. Die Kammermusikversion kehrt den Collagecharakter hervor, das Knöcherne, Jenseitige. Und die Ironie all der keineswegs versteckten Zitate, von Rossini über Mahler bis zu Wagners „Tristan“. Plötzlich klingt die Geige wie ein Akkordeon, Choralzeilen erscheinen chromatisch zerquetscht. Die Musik wandelt sich zur Pantomime, zur eigenen Parodie. Und der ähnlich wie bei Tschaikowksy entrückte Abgang mit Celesta, Xylophon, Streicherliegetönen und feinstem synkopischem Geklöppel atmet heiligen Ernst. Klangblock, leise Marschtrommel, Triangel - die europäische Klassik ist in ein tibetanisches Mönchskloster ausgewandert.

Als Nächstes sind zwei Korngold-Konzerte geplant und ein Abend mit Janine Jansen. Aber allen exzellenten Musikern und außergewöhnlichen Programmen zum Trotz kämpft die Reihe mit Geldsorgen. Spectrum-Gründer Frank Dodge appelliert deshalb an die Besucher. Freunde der unerhörten Musik lassen sich das gern dreimal sagen.

Christiane Peitz  (13. März 2019)

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BERLINER MORGENPOST Matthias Nöther am 12. März 2019 (Foto: Adil Razali)

 

Das Klaviertrio wird schockgefroren

Spiel mit Gegensätzen:  Frank Dodge eröffnet seine Spectrum Concerts mit Werken von Tschaikowsky und Schostakowitsch

 

Exquisite Kammermusik hat ihren Preis: Mit knapper Kasse und viel Mühe schafft es die renommierte Kammermusikreihe Spectrum Concerts, auch ihre 31. Saison in Berlin zu finanzieren. Sie bietet dabei im Kammermusiksaal der Philharmonie ein Eröffnungskonzert, das so etwas wie einen Kammermusik-Weltrekord aufstellen zu meinen scheint, sowohl in Programm als auch in Besetzung. Schon im anfänglichen Klaviertrio a-moll op. 50 von Peter Tschaikowsky tritt unter anderem der russische Geiger Boris Brovtsyn auf – keiner der Klassik-Glamourstars unserer Tage, aber immer dann in Kammerensembles auf internationalen Bühnen zu finden, wenn der Hauch des Exklusiven, Hochkarätigen weht.

Mischung aus Präzision und Obsession

Es geht Brovtsyn offenbar darum, Werke des Repertoires, die viele Kollegen nur knapp bewältigen, in Vollendung darzubieten – wozu er entsprechend kompetente Partner eben bei Spectrum Concerts findet. Eine hohe Gage werden die Mitwirkenden trotz kräftiger Unter-stützung eines Berliner Spectrum-Förderkreises nicht bekommen haben – ihre Leistung ist ohnehin unbezahlbar.

 

Die Darstellung von Tschaikowskys Trio erzeugt Schwindel. Gerade das Zusammenspiel von Brovtsyn und dem Pianisten Eldar Nebolsin ist eine Mischung von Präzision des Klaviers und obsessiver Behandlung der Geige. Tschaikowskys ausladende und im Gebiet der Kammermusik in dieser Monumentalität kaum je dagewesene zwölf Variationen des zweiten Satzes beginnen Brovtsyn und der Cellist Jens Peter Maintz mit einem griffigen, ohne Aufwand erzeugten Ton und lassen sie in ein ekstatisches Spiel münden. Dieses bläst alle anfängliche Zweifel des Publikums fort, ob man diesen dunklen Winkel der romantischen russischen Seele nun wirklich kennenlernen wollte. Nebolsin seinerseits erweist sich mit seiner technisch vollendet ökonomischen Behandlung seines Instruments und seines Körpers in einem gleichwohl emotionalen Spiel als echter Schüler des großen russischen Klavierlehrers Dmitri Bashkirov, der mit seinen 87 Jahren ebenfalls im Publikum sitzt.

Horrorbilder einer diktaturgeschundenen Seele

Kammermusik-Weltrekord – das fällt einem vor allem zu Dmitri Schostakowitschs zerfurchter 15. Sinfonie ein, die im zweiten Teil des Konzerts in einer Fassung für Klaviertrio und 13 Schlaginstrumente erklingt. Der vorherige glühende Fluss der Emotionen aus Tschaikowskys Klaviertrio wird schockgefroren. Die komplexen Ablösungen des hochkonzentriert von Ni Fan und Lukas Böhm bedienten Schlagapparats mit den Instrumenten des Trios funktionieren in dieser Formation perfekt. Gnadenlose Galopps und sarkastisch entstellte Volkslieder: Es offenbart sich in der skelettierten Kammermusikfassung dieses Spätwerks überdeutlich, wie sich die musikalischen Horrorgestalten aus der diktaturgeschundenen Seele des alten Komponisten zu einer sinfonischen Form, zum allgemein Menschlichen verfestigen.

Matthias Nöther (13. März 2019)

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Pressestimmen und Artikel der 30. Saison 2018:

 

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The STRAD April 2018
30 Years SPECTRUM CONCERTS BERLIN
By Carlos Maria Solare
STRAD April 2018.pdf
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rbb Kulturradio Frühkritik am 20. Juni 2018
Frühkritik rbb am 20. Juni 2018.pdf
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Konzert am 19. Juni 2018 / Hundert 11 - Konzertgänger in Berlin
Hundert 11 - Konzertgänger in Berlin 20[...]
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neues deutschland am 24.. Januar 2018 / Stars ohne Allüren
Neues Deutschland 22.1.2018.pdf
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Hundert 11 - Konzertgänger in Berlin am 24. Januar 2018 / Wehwellig: Robert Helps, Brahms, Bartok bei Spectrum Concerts Berlin
Wehwellig- Robert Helps, Brahms, Bartók[...]
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Der Tagesspiegel am 21.. Januar 2018 / Es gibt nichts Neues, außer man lernt es
30 Jahre Spectrum Concerts- Es gibt nic.[...]
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Berliner Morgenpost am 3. Januar 2018
Seine Träume bleiben keine Luftschlöss[...]
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concerti
concerti Januar 2018.png
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Pressestimmen der 29. Saison 2016/2017

Tagesspiegel am 10. Januar 2017
Heimat ist mehr als ein Ort - Ein beeind[...]
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RBB Frühkritik am 9. Januar 2017
Der ganze Abend war eine Sternstunde - R[...]
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HUNDERT 11 am 9. Januar 2017
Wohl beste Kammermusikreihe, die es in B[...]
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Pressestimmen der 28. Saison 2015/2016

The Imperfect Instrument - The Viola / HUNDERT 11 Konzertgänger
HUNDERT11 am 14. Mai 2016.pdf
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"Ein Abend für Kosovo"
Ein Abend für Kosovo / Der Tagesspiegel 21. April 2016
Balkan ohne Route.pdf
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Die Spectrum Concerts gehören zum absoluten Tafelsilber des Berliner Konzertlebens. ERWIN SCHULHOFF PROJEKT / RBB KulturRadio
KULTURRADIO rbb Frühkritik 4. am Januar[...]
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ZWINGEND: Erwin Schulhoff und Schostakowitsch bei Spectrum Concerts Berlin
HUNDERT11 - KONZERTGÄNGER IN BERLIN.pdf
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TIP MAGAZIN Januar 2016

 

Die Konzertreihe erinnert an den Pionier der Jazz-Komposition in Europa. Seine Kompositionen trafen den Nerv der Zeit in ihrer Mischung aus traditionellen Gattungen und einer vorsichtig erweiterten Tonalität.

 

Endlich Normal!

Eine Entdeckung: Spectrum Concerts Berlin widmen sich ERWIN SCHULHOFF

Doppelt diskriminiert hält besser! Oder wie soll man das, bitte schön, sonst nennen?! Nachdem etliche Musiker in der NS-Zeit verfolgt und in Konzentrationslagern ermordert wurden, hat man ihnen das Label "KZ-Musik" angeheftet. Komponisten wie Pavel Haas, Hans Krása, Gideon Klein und Victor Ullmann wurden zuletzt, unter dieser Fahne segelnd, immerhin wieder ins allgemeine Bewusstsein zurückgeholt. Ein bitterer Nach-geschmack bleibt, da sich die Musiker ihre Rubrik gewiss nicht ausgesucht haben. Höchste Zeit, sie einfach als gute Musiker anzusehen.


Der wohl bedeutendste Komponist aus der Reihe der Verfolgten, und derjenige mit dem größten Œuvre, ist der 1894 in Prag geborene Erwin Schulhoff. Als einer der Ersten integrierte er den Jazz in die Klassik. Stärker als die von ihm geförderten Kollegen Schönberg und Berg nahm sein Werk eine politische Wendung – so wie man es bei Kurt Weill und später bei Paul Dessau und Hanns Eisler beobachten kann. 1932 ver-tonte Schulhoff das Kommunistische Manifest und geriet auf die Liste "entarteter Musiker". 1941 wurde er Sowjetbürger und in Prag interniert. Im Jahr darauf starb er an den Folgen seiner Deportierung und Inhaftierung im Lager Wülzburg in Bayern.


Wenn man Schulhoff jetzt erstmals ein ganz reguläres Portrait-Konzert im Kammer-musiksaal widmet, wo vier zentrale Kammermusik-Werke dem Klavierquintett von Schostakowitsch gegenübergestellt werden, so ist dies: eine Sensation an Norma-lisierung. Schulhoffs Streichsextett von 1924 vermittelt, so Veranstalter Frank Dodge, "eine Vorahnung von dem, was der Welt passieren wird". Und ist dennoch "komponiert für Musikhörer, nicht nur für Bürger einer sozialen Gesellschaft". Die Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier entstand auf dem Höhepunkt der Wiener Schule- und Dada-Begeisterung Schulhoffs. Sein Duo für Violine und Violoncello ist das mit Abstand meistaufgeführte Werk des Komponisten. "5 Études de Jazz" für Klavier tänzeln vorweg.


Das Ganze wird im Rahmen der legendären "Spectrum Concerts" von Boris Brovtsyn (Violine), Maxim Rysanov (Viola), Jens-Peter Maintz (Cello), Eldar Nebolsin (Klavier) u.a. zum Besten gegeben. Nachdem die "Spectrum Concerts" unlängst akut abwick-lungsbedroht waren, beschied eine – selten kluge – Entscheidung des Berliner Ab-geordnetenhauses der Veranstaltungsreihe eine jährliche Förderung von 35.000 Euro. "Wir sind nunmehr entschlossen, bald unser 30-Jähriges zu feiern", sagt Initiator Frank Dodge. 


Diesen Durchhalteimpuls wird man auch brauchen. Langjährige Mitspieler wie die großartige Geigerin Janine Jansen konnten in der Krisenphase nicht gebucht werden. Jansen wird ab der nächsten Spielzeit wieder regelmäßig mit dabei sein. Die Arbeit der Reihe wird stets durch CDs bei Naxos dokumentiert; zuletzt mit einer sehr schönen Arensky-Aufnahme. Es sind die – auch aufnahmetechnisch – besten Produktionen der Firma. Hoch sollen die "Spectrum Concerts" leben! Und Schulhoff mit ihnen.

 

Kai Luehrs-Kaiser

 

Spectrum Concerts:

Erwin Schulhoff, Philharmonie/Kammermusiksaal, So 3.1., 20 Uhr,

Karten-Tel. 84 10 89 09

 

ERWIN SCHULHOFF
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