
Spectrum Concerts Berlin, 1988-2010
[Translate to English:] Mut zur Brücke – so überschreibt die Journalistin Isabel Herzfeld ihren Artikel über die Eröffnungskonzerte der 19. Saison am 3. und 5. November 2006 in der Carnegie Hall. Mit diesem Kapitel der Geschichte von Spectrum Concerts Berlin wird die seit 1988 gepflegte musikalische Verbindung zwischen Amerika und Europa intensiviert und auf eine neue Grundlage gestellt. „In Amerika will Frank Dodge“, der Gründer und Künstlerische Leiter von Spectrum Concerts Berlin, „nicht einfach ‚nur‘ Musik machen, sondern eine Botschaft der gemeinsamen kulturellen Wurzeln überbringen, an ihren humanistischen Kern erinnern.“ (Der Tagesspiegel, 21.11.2006)
Die Idee zur Gründung der Kammermusikreihe hat Frank Dodge 1987 auf der griechischen Insel Santorini, und am 22. Januar 1988 steht Spectrum Concerts Berlin in der Akademie der Künste im Hansaviertel seinem Berliner Publikum und Kritikern zum ersten Mal gegenüber.
„Es scheint so, als hätten sich die Spectrum Concerts Berlin gleich mit ihrer ersten Veranstaltung einen Platz im Berliner Musikleben erobert“, berichtet der Tagesspiegel. Alle Konzerte werden vom Sender Freies Berlin im Auftrag des National Public Radio in Washington, D.C., aufgezeichnet und landesweit in den USA gesendet.
Von Beginn an wird – und dies ist völlig neu – Musik des 18. und 19. Jahrhunderts der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, insbesondere zeitgenössischen amerikanischen Komponisten, gegenübergestellt. So spielt Spectrum Concerts Berlin einen kompletten Zyklus der Brahms-Klavierquartette, gleichzeitig besteht eine enge Verbindung zu den Komponisten John Harbison, Tison Street, David Del Tredici, Stanley Walden, Laura Schwendinger und Robert Helps.
Auch den ins Exil emigrierten Komponisten wie Erwin Schulhoff und Ernst Toch wird eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. Wie Habakuk Traber betont, hat Spectrum Concerts Berlin an der Renaissance der Musik Ernst Tochs entscheidenden Anteil. 1997 führt Spectrum Concerts Berlin in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz die Veranstaltungsreihe „3 Sonntage in der Neuen Nationalgalerie“ durch. Eva Mattes, Michael Degen und Stefan Wigger lesen aus Werken von Exilschriftstellern und Mitglieder der Spectrum Concerts Berlin spielen Werke von Exilkomponisten sowie die Streichquartette op. 18 von Ludwig van Beethoven. Die Veranstaltungsreihe findet in Verbindung mit der Ausstellung „EXIL – Flucht und Emigration europäischer Künstler 1933–1945“ statt.
Neben den durchschnittlich sechs Berliner Konzerten jeder Saison finden immer wieder zusätzliche Veranstaltungen statt. 1990 und 2000 gestaltet Spectrum eine „American Music Week“ mit Konzerten, Workshops, Ausstellungen und Diskussionen zum kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den USA. 1991 und 1993 organisiert Spectrum Tourneen für Studenten der Hochschule für Musik Hanns Eisler und der Hochschule der Künste Berlin. In diesem Rahmen werden amerikanische Musikhochschulen wie die Juilliard School, das New England Conservatory of Music, die Duke University, die University of South Florida in Tampa und die Ringling School of Art and Design besucht, um mit amerikanischen Komponisten zu arbeiten, Radioaufnahmen einzuspielen und öffentliche Konzerte zu geben.
Und das alles ganz ohne staatliche Subventionen.
Getragen wird das vielfältige kulturelle Engagement von Spectrum Concerts Berlin von Anfang an durch couragierte und abenteuerlustige Privatpersonen, Firmen und Stiftungen, die Spectrum Concerts Berlin eine Zukunftgeben. Diese in Europa vollkommen unbekannte Methode, Kultur privat zu finanzieren, wird in den achtziger und neunziger Jahren als Pionierarbeit betrachtet.
Bundespräsident a. D. Dr. Richard von Weizsäcker, Ehrenmitglied des Förderkreises Spectrum Concerts Berlin e. V., ruft mit seiner Begrüßung anlässlich der 15. Saison in Erinnerung: „Kultur und Kunst leben davon, dass wir nicht nur konsumieren, sondern sie mit unseren bescheidenen Mitteln fördern.“ 1995 wird der Förderkreis Spectrum Concerts Berlin e. V. gegründet. Rolf Liebermann und Wolfgang Stresemann werden die ersten Ehrenmitglieder. Anlässlich der zweiten „American Music Week Berlin“ wird die Ehrenmitgliedschaft des Förderkreises an die Komponisten John Harbison und Robert Helps verliehen. Am 17. Juni 2003 wird Dr. Richard von Weizsäcker Ehrenmitglied.
„ Berlin ist im Laufe seiner Geschichte zu einer Musikstadt ohnegleichen geworden. Sie lebt indessen nicht allein von festen Institutionen oder alten Überlieferungen. Entscheidend sind vielmehr große künstlerische Persönlichkeiten, auf die die Stadt immer von Neuem angewiesen ist. Dafür sind Sie, lieber Frank Dodge, durch Ihre Arbeit während der letzten zwanzig Jahre für mich und für die Berliner Musikwelt zum prägenden Symbol geworden.“
Richard von Weizsäcker
